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Interview mit den Ohrbooten

Interview mit den Ohrbooten

Ein weiteres Interview vom "Deichbrand" Festival, diesmal mit Noodt von den Ohrbooten!

Sie kommen aus Berlin, haben den Musikstil Gyp Hop geprägt und brachten die Leute beim "Deichbrand" Festival 2010 am Samstagabend in Stimmung. Die Rede ist von den Ohrbooten.

Interview

Nach ihrem Auftritt trafen wir Noodt und stellten ihm einige interessante Fragen.

Für euch stehen, wie immer, eine Audio- sowie eine Textversion zur Verfügung:

Alternative content

Wir befinden uns beim "Deichbrand" Festival und neben mir sitzt jetzt...
Noodt von den Ohrbooten.

Ihr habt gerade euer neues Album „Gyp Hop“ veröffentlicht – was versteht ihr genau unter Gyp Hop?
Gyp Hop ist die Definition unserer Musik. Wir haben es so genannt, weil uns viele Leute gefragt haben, woraus unsere Musik denn bestehe.
Manche haben angefangen, unzählige Musikstile aufzuzählen, aber einfacher war es, ein Label zu finden, Gyp Hop – eine Mixtur aus dem Handgemachten, was unsere Musik auszeichnet, aber auch dem Urbanen: moderne Sounds und Hip Hop Style.

Was hörst du persönlich für Musik – geht das ungefähr in die selbe Richtung oder weicht die komplett davon ab?
Genau dasselbe ist immer schwierig. Es gibt  Bands, die frei von Konventionen alles durchmischen. Das mag ich auch gerne, wie zum Beispiel The Cat Empire aus Australien.
Wir sind eine sehr offene Band. Alle haben vielfältige Musikeinflüsse.
Ich höre viel Jazz, Black Music, Punk und Hip Hop. Es gibt aber natürlich auch Musik, die wir alle mögen. Doch der ein oder andere hört auch gerne mal richtig krassen Metal und der andere richtig krassen Folklore – und jeder trägt das dann auch in die Band mit rein. 

Euer erstes Album wurde vor fünf Jahren veröffentlicht. Wie hat sich seitdem eure Musik verändert?

 Im Großen und Ganzen sind wir unserer Linie treu geblieben bzw. unserer Philosophie, dass wir die Musik willkürlich mischen, was uns gerade in den Weg kommt.
Auch beim Songwriting legen wir uns keine Grenzen auf und sagen: „Das können wir jetzt nicht machen“ - und so gibt es letztendlich dann Crossgrades zwischen Polka- und Elektrobeats.
 

Was sich verändert hat ist, dass wir durch die vielen Liveauftritte und Konzerte mehr Wert darauf legen, dass die Musik auch tanzbar sein soll.
Das merkt man wahrscheinlich auch dem letzten Album an, das alles ein wenig mehr nach vorne geht – mehr schnellere Musik, weniger Balladen, sodass die Songs schon vorweg etwas nach der Tanzbarkeit selektiert werden.

Ihr seid also mehr Live- als Studioband.
Definitiv, ganz klar. Das war der ursprüngliche Gedanke und das, worauf es immer mehr hinausläuft.
Wir lieben es natürlich auch, im Studio zu sein. Das ist immer eine schöne Zeit.
Aber wir merken, dass die Leute häufig sagen, dass sie mit der Platte nicht viel anfangen können, aber seit einem Liveauftritt wissen, was wir meinen.
Auf einer Platte wird vieles nicht so rübergebracht, wie es soll, obwohl wir uns viel Mühe dabei geben, alles immer live einzuspielen und so unmittelbar das wiederzugeben, was wir machen.
Das Bühnenfeeling ist jedoch komplett anders und vieles ist einfacher.

Wenn du dich entscheiden könntest, vor einem großen Publikum wie hier oder einem eher kleinen Kreis zu spielen, was würdest du bevorzugen? Was reizt dich daran?
Es hat auf jeden Fall beides sein Für und Wider. Ich mag es sehr gerne, auch vor wenigen Leuten zu spielen, weil es intimer ist und man auch einen engeren Draht zu den Leuten bis in die letzte Reihe knüpfen kann.
Bei großen Massen wird es irgendwann unübersichtlich und unpersönlich.
Natürlich, man bekommt eine Masseneuphorie und sehr viel gutes Feedback, aber auch ein Gig vor kleinem Publikum kann einen extrem pushen.

Ihr kommt ja alle aus Berlin und seid sozusagen Kinder der Berliner Musikszene. Siehst du in dieser Szene Unterschiede, die sich von anderen Musikszenen in Deutschland unterscheiden? Gerade in Berlin wird ja viel experimentiert und vieles neu erfunden.
Klar, Berlin hat den Vorteil, dass man dort verhältnismäßig günstig leben kann, dafür dass es eine dermaßen riesige Stadt ist, die einem so viel bietet. Dadurch hat Berlin sehr viele Kulturschaffer, die das auch ausnutzen und ausleben.
Du kannst jeden Abend irgendwo hingehen und gute Musik hören, ein tolles Theater sehen, oder was auch immer.
Das macht Berlin auch international so attraktiv, dass es von den Möglichkeiten auf einem relativ hohen Level mitspielt und auch mit anderen europäischen Metropolen mithalten kann.
Man muss sich nicht mit unzähligen Nebenjobs totackern, um über die Runden zu kommen und kann seine Vorstellungen so voll ausleben.

Noch einmal ein Vergleich zu 2005: Findest du, dass es für Musiker schwieriger geworden ist, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten oder sind es einfach nur neue Herausforderungen, denen man sich stellen muss?

Schon 2005 gab es Ausprä-
gungen und Ankündigungen der jetzigen Entwicklung. Es wird immer schwerer Platten zu verkaufen, das ist klar, und es wird auch nicht besser werden.

 

Das ist eine Entwicklung, die seit der Einführung der MP3s immer weiter voranschreitet. Davor kann man auch nicht die Augen verschließen. Andererseits kann man es auch nicht verteufeln und sagen: „Oh Gott, jetzt gehen wir alle vor die Hunde!“ - für mich ist es eher eine Rückbesinnung, dass man mit Livemusik immer noch etwas reißen kann und die Platten in unserem Fall Mittel zum Zweck werden. Es geht uns darum, vor den Leuten zu stehen und zu spielen.
Für uns ist es am Ende auch egal, ob wir eine Platte oder eine Konzertkarte verkaufen.


Angenommen, du könntest mit der Musik kein Geld mehr verdienen oder die Ohrbooten würde es nicht geben, wo würdest du dich dann sehen?

Schwierige Frage. Ich habe solange ich denken kann mein Geld mit Musik verdient und will es auch nicht gegen irgendetwas anderes eintauschen.
Wahrscheinlich würde ich Fahrradkurier sein. Früher wollte ich Schauspieler werden und das hätte ich dann vielleicht auch weiter verfolgt.

Es gibt ja auch viele junge Bands, die die Musik noch amateurhaft betreiben, mal vielleicht am Wochenende auf einer Geburtstagsfeier spielen. Was hast du für diese Leute an Tips parat, wenn sie der Musik treu bleiben wollen?
Das A und O ist: Spielen, spielen und spielen – so viele Konzerte wie nur möglich. Daran reift man und sieht dann, was geht und was nicht. Da kann man noch so lange im Studio rumschrauben. Man sieht erst, wie es ankommt, wenn man vor den Leuten spielt.
Es ist auch völlig egal, wo man spielt. Wir spielen auch heute noch viel auf der Straße und lieben es, wenn wir vor einem Publikum stehen, was überhaupt nicht damit rechnet, dass da jetzt auf einmal ein Konzert auf der Straße stattfindet.
Man muss mit seiner Musik rausgehen und sie den Leuten präsentieren, keine Angst haben und immer weitermachen. Von Misserfolgen sollte man sich nicht zurückdrängen lassen.

Vielen Dank für das Interview und noch einen schönen Tag!
Danke, euch auch.

 

Musikvideo

Link: Mit dem Kopf durch die Wand - Ohrbooten - Gyp Hop

 

Zusatzinformationen

Nächste Auftritte:

  • 27.08.2010 - Folklore im Garten (Wiesbaden)
  • 11.09.2010 - 3Sat Festival (Mainz)
  • weitere Termine

Internet: http://www.ohrbooten.de

Zu den Fotos vom Samstag, den 17. Juli 2010

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Kategorien

Musik  Interview 

Infos

Autor: DennisB

Event Infos

Deichbrand Festival 2010


(Klick drauf zum Vergrößern!)

Datum: Sonntag, 18.07.2010
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